Geschichte

Auszug aus dem Band „Niedersächsische Mühlengeschichte“ zum Mühlendorf Räbke

Wilhelm Kleeberg hat in seinem Band mit obiger Bezeichnung selbstverständlich auch die Mühlengeschichte des Dorfes Räbke dargestellt. Aus der 2. Auflage aus dem Jahr 1979 sollen nachfolgend einige Ausschnitte der Seite 387 aufgezeigt werden:

„RÄBKE: Der interessanteste Mühlenort des Kreises Helmstedt ist Räbke, denn er hat heute noch sieben Wassermühlen. Sie wurden oder werden alle von der einst so wasserreichen, vom Elm kommenden Schunter angetrieben.

Diese sieben Wassermühlen sind alle schon 1802 in der Geographisch Statistischen Beschreibung aufgeführt: Über dem Dorf eine Privatpapiermühle, eine Wassermühle mit Grützgang, die Kammer-Erbenzinsmühle ist, im Dorf drei Privatwassermühlen, eine Ölmühle, eine Papiermühle, ferner eine Roßölmühle.

Feldriss von Räbke, 1754 (General-Landesvermessung – Hist. Komm. f. Niedersachsen)

Diese Karte aus dem Jahr 1754 zeigt sehr deutlich den Lauf der Schunter im Dorf. Der Mühlengraben war der Hauptlauf, denn es galt, die Ölmühle Willecke, die Getreidemühlen Liesebach und Prinzhorn mit Antriebswasser zu versorgen.

Hans-Werner Kammel berichtet über die Obermühle

Der Schunterquelle am nächsten liegt in Räbke die Obermühle, einst von Mönchen zu St. Ludgeri Helmstedt als Papiermühle erbaut. Das jetzige Mühlenhaus dürfte seiner Bauart nach aus dem 16. Jahrhundert stammen, stellt Wilhelm Kleeberg in seinem Band Niedersächsische Mühlengeschichte aus dem Jahr 1979 fest. Ein einstmals oberschlächtige Wasserrad mit einem Durchmesser von sechs Metern erzeugte ein entsprechend großes Drehmoment, das bei ausreichender Wassermenge eine respektable Leistung erzielte. Besitzer der Mühle war bis in die späten 50iger Jahre des 20. Jahrhunderts Herr Nagel und danach seine Erben.

Dazu schreibt Hans-Werner Kammel, langjähriger Rektor einer allgemein bildenden Schule in Flechtorf und Sohn des Betreibers, Helmut Kammel, im September 2017 dem Verein folgende Zeilen:

Herr Nagel, Eigentümer der Obermühle aus Räbke, verpachtete aus Altersgründen im Februar 1952 samt Stallungen und Vieh an den Mühlen- und Sägewerksbesitzer, den Müllermeister Helmut Kammel, geboren am 31.10.1905 in Schwarzwaldau, Landkreis Landeshut in Niederschlesien, vertrieben als sechsköpfige Familie am 8.5.1945, gestrandet in Eitzum, Kreis Wolfenbüttel.

Von seinen vier Kindern erlernt der Älteste, Willi Kammel, geb. am 20.4.1935, auch das Müllerhandwerk, begonnen in Remlingen, abgeschlossen mit der Gesellenprüfung in der Mühle Buchwald, Frellstedt. Den Meisterbrief erwarb er zu Zeiten seiner Tätigkeit als Müller in der Sickter Mühle.

Ende 1962 endete der Pachtvertrag. Helmut Kammel wechselte zur Mühle Krebs in Grasleben. Zum Lieferbereich in dem zehnjährigen Mühlenbetrieb zählten außer Räbke Frellstedt, Warberg, Schöningen, Eitzum und Sambleben.

Die tägliche Mahlleistung lag bei 2 Tonnen Mehl, zusätzlich wurde geschrotet. Mit bis zu 20 Sack Mehl beziehungsweise Schrot ging es anfangs mit „Lotte“ und Rungenwagen über Land. Erst 1957 kaufte unser Vater einen VW-Transporter. In der Betriebszeit, gewöhnlich von 7 bis 22 Uhr, wurde mit Wasserkraft (Mühlrad) plus Elektromotor gemahlen. Das Wasser der Schunter reichte allein nicht aus.

Flechtorf, 10.09.2017 H.-W. Kammel

Die obere Papiermühle

Auszug Räbker Chronik

Heute ist die Obermühle im Besitz der Familie Mölle. Die Gebäude wurden in den späten Jahren des letzten Jahrhunderts von dem Bauunternehmer Gustav Mölle wieder hergerichtet. Mühlentechnik ist allerdings nicht mehr vorhanden, denn nach Einstellung des Mühlenbetriebes durch die Pächterfamilie Kammel wurde die Technik entfernt, es war der damalige Zeitgeist.

Zum Chronikbericht:

Die zweite an dieser Stelle gelegene Mühle  ist die ehemalige Papiermühle, auch Bertrams- oder Nagels-Erben-Mühle genannt. Sie befindet sich am Mühlenweg 131. Auch diese Mühle war einstmals eine Amtsmahlmühle der Edelleute von Warberg. Über diese Mühle ist uns vieles aus den Quellen bekannt, aber hier soll nur auf wenige Aspekte eingegangen werden.

Nach Böhmes Bericht im Braunschweiger Magazin  waren schon 1692 „Papiermüller“ da, wohl der 1694 genannte Jürg Canebley als Erster. Die näheren Verhältnisse, nach welchen diese Familie bald danach als Pächter der Mittelmühle erscheinen, sind nicht bekannt. Festgestellt aber ist, dass die Witwe Anna Marie Canebley von der Mittelmühle im Jahre 1708 einen Neubau der oberen Papiermühle veranlasste. (……)

Die Lage der Mühle war insofern recht günstig, als es nie an reinem und klarem Springwasser, „dem fürnehmsten Mittel zur Verfertigung guter Papiere“ fehlte. Darum wurde das hier gefertigte Papier teuer bezahlt. Nachteilig war die Entfernung des Beigeschirrs, welches einen eigenen Gesellen erforderte; dann der häufige Wassermangel, der in „trockener Zeit nur 2, höchstens 3 Loch brauchen ließ.“

Die Witwe Kanebley sollte sich ihres neuen Besitzes nicht lange freuen. Sie hatte offenbar keine genügenden Mittel, nicht einmal zur Vollendung des Baues. Wie es scheint, hat der Forstmeister und Amtmann Daniel Köhler ihr das nötige Geld vorgeschossen. Jedenfalls hat er die Bauarbeiten alsbald selbst in die Hand genommen und 1709 durch den Maurermeister Heckewald in Königslutter zum Abschluss gebracht. Als er 1711 starb, haben seine Erben das Eigentumsrecht an der Papiermühle beansprucht und auch vorläufig zur Geltung gebracht. Doch wurde die Witwe Kanebley nicht vertrieben, sondern laut eines Vertrages von 1712 als Pächterin in der Mühle belassen, gegen einen jährlichen Zins von 80 Talern. Als die Köhlerschen Erben 1728 die Mühle an den Hofrat Dr. Heister Professor medicinae primarius in Helmstedt verkauften, blieb die Familie Kanebley auch noch in der Pacht. 1730 aber klagte sie die Mühle von den Köhlerschen Erben nachträglich ein, und zwar mit dem Erfolg, dass der Verkauf an Heister rückgängig gemacht wurde. Dieser musste 1733 für 18 000 Taler aufs neue kaufen, jetzt von der vorigen Pächterin, um in unangefochtenen Besitz zu gelangen.“

Die 1708 neu gebaute Papiermühle wird in der Inventaraufnahme von 1728 folgendermaßen beschrieben: „Durch einen geflochtenen Zaun führte ein zweiflügeliger Tannentorweg mit einer Pforte zwischen drei eichenen Torsäulen auf den Hof. Das Wohnhaus war 16 Verbind lang, 9 Verbind breit, 2 mal übersetzt und mit Ziegeln gedeckt. Den Eingang bildete eine gebröchene Eichentür mit hölzernem Riegel und eiserner Krampe……

Die Wohnstube rechts von der Dehle hatte eine Tannentür mit eisernem Handgriff und Klinke, 2 Fenster hofwärts mit je 4 Flügeln und tanneneingefaßten Zargen, 1 kleines Fenster mit Schieber nach der Dehle, einen eisernen Ofen mit doppelten Kachelaufsätzen. Die Wände waren mit vermalten Tannenbrettern bekleidet; an ihnen waren fünf Tannenbänke angenagelt, auch eine „Handquelle“ (d.i. Handtuchbrett). Den Boden bildeten Völpker Steine.

 

 

Dem Hofrat Heister wurde durch die geschilderten Umstände der Mühlenbesitz verleidet, so dass er ihn 1741 der Kammer zum Kauf anbot. Dieser aber verursachte damals schon die Papiermühle am Herkling genug Schwierigkeiten, weshalb sie das Angebot ablehnte. (…….)

Die sogenannte Klappermühle, unterhalb genannter Mahlmühle Nr. 93 wurde niedergerissen, ihr wüster Platz an die Gemeinde abgetreten und der Mühlgraben zu Gartenland gemacht.“ 20)

„In der Folgezeit, ab 1742, wurde von dem neuen Besitzer Borchert versucht, ein größeres Wasserrad einzubauen, was aber am Widerstand der anderen Mühlenbesitzer scheiterte. Ab 1764 war die  Obere Papiermühle in den Besitz des Papiermachermeisters Johann Ernst Scharrschmidt gekommen, und dann von seiner Witwe an einen Papierfabrikanten verkauft. Die Papiermühle wurde zu einer einfachen Mahlmühle umgebaut, als sie weiter verkauft wurde (1865). Damals gingen 300 Jahre Papierherstellung in Räbke zuende. Die Obere Papiermühle war nun die Obermühle  geworden, eine eingängige Mahlmühle, die seit 1909 in Bertrams Besitz kam“, heißt es im Erbenzinsregister.21)   Aber auch diese Zeit als Mahlmühle war bald vorbei, denn wie schon berichtet, arbeitete dann von den  beiden Obermühlen nur noch die Amtsmühle in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts. Die obere Papiermühle hat ihren Betrieb als Mahlmühle lt. dem Bericht von Hans-Werner Kammel 1962 endgültig eingestellt. 1965 wurde auch hier das Wasserrad und das Mahlwerk ausgebaut. In den Jahren von 1964 bis 1972 befand sich auf dem Mühlenhof die letzte Schäferei in Räbke , sie hatte zeitweilig die Größe von 300 Muttertieren.

Die Amtsmahlmühle

Auszug Räbker Chronik

Die Amtsmahlmühle ist die zweite Mühle „von oben“. Sie ist seit Sommer 2017 im Besitz von Dag Roleff. Mit vertretbaren Änderungen wird der Bericht hier dargestellt.

Oberhalb der Schenkenwiese liegen die beiden später erbauten Räbker Obermühlen. Auch hier liegt das gleiche Prinzip der Wasserversorgung für den Mühlenbetrieb vor wie bei der besprochenen Mönchsmühle. Direkt unterhalb der Mühlen verlief die Schunter, von der ein kurzer Mühlengraben oberhalb der Mühlen abgezweigt wurde um dann wieder in den Schunterlauf einzumünden, etwa dort, wo heute die beiden kleinen Teiche sind.

Dem Dorf zunächst liegt die ehemalige Amtsmühle, auch Köhlers-Mühle, oder Deneckens-Mühle nach ihrem jeweiligen Besitzer genannt, am Mühlenweg 130, mit der ASS-Nr. 93.

Diese obere Amtsmühle stellte in der Mitte des 20. Jahrhunderts ihren Mühlenbetrieb ein. Ende der sechziger Jahre wurden das marode Wasserrad und die Subsysteme entfernt. Noch in den zwanziger Jahren drehte sich das Mühlenrad als eine einfache Schrotmühle. Hierzu erzählte uns Rudi Kirchhoff die folgende kleine Geschichte über Herrn Willi Götsch, der sie ihm selbst so erzählte, geschehen in der Mühle von Hermann Denecke (Amtsmühle), etwa um 1918/1919.

Damals war Willi Götsch vier Jahre alt, und seine Oma hat die Rüben auf dem der Mühle gegenüber gelegenen Anger gehackt. Der damalige Müller Köhler gab nachher an, er sei gerade bei der Reparatur der Mühle gewesen, und darum hatte er den Schutz vom Mühlenrad entfernt. Die Oma hörte den kleinen Willi schreien, er war dem Mühlenrad zu nahe gekommen und im Wasser vom laufenden Mühlenrad erfasst und gegen die Wandung gequetscht worden. Es war eine oberschlächtige Mühle und die Welle war aus einem Eichen- oder Buchenstamm gefertigt und mit einem Stahlring gegen ein Aufspalten gefasst. Die Welle war auf einem gemauerten Wellenbock in einfachen Katzensteinen gelagert.
Die Oma konnte das schreiende Kind retten, aber ein Bein musste ihm abgenommen werden. Rudi Kirchhoff selbst erinnert sich, dass auch er das Rad freilaufend ohne Schutz in Erinnerung hat, ohne sich seinerzeit über die damit verbundene Gefahr bewusst gewesen zu sein. Man konnte dort auch wie bei der Ölmühle Willecke Forellen fangen.

Über diese obere „Warberger-Amtsmahlmühle“ sei hier noch Folgendes aus dem Erbenzinsregister, S. 192 angemerkt: Bedingt durch die Neugründung der Oberen Papiermühle (Ass-Nr.86 direkt vor der Haustür, von der Pächterin der am Schunterunterlauf gelegenen Mittleren Papiermühle (Ass-Nr.87) im Jahr 1708, begann bald Streit zwischen den Nachbarn wegen der Wassergerechtsamen. Auch der Wettbewerb der anderen Müller, die auf den drei Privatmühlen des Dorfes saßen, machte sich bemerklich. Zwar hatte die Amtsmühle das Vorrecht von zwei Gängen, aber die anderen Müller waren dazu übergegangen, den Leuten Korn und Mehl auf den Höfen abzuholen und anzuliefern, da sie als Reihebauern leicht Pferde halten konnten, der Amtsmahlmühle hingegen fehlte es an Eigenland. So durchbrachen sie die alte Gewohnheit der so genannten Tausch-Müllerei, nach der die Kunden selbst zur Mühle kamen, um Korn zu bringen und Mehl dafür entgegen zunehmen. Auch die üble Beschaffenheit des Mühlenweges, die die reguläre Bezeichnung „Schöningsche Heerstraße“ trägt, ließ die Lelmer ihr Korn lieber auf der neuen Kunststraße nach Königslutter fuhren, heißt es weiter im Erbenzinsregister. (Anm.: Die „neue Kunststraße“ ist die heutige Landesstraße L 641, die erst in der napoleonischen Zeit des Herzogtums Braunschweig entstanden ist).

Später, nach vielem Hin und Her, gewann schließlich diese Mühle gegenüber der Konkurrenz der drei anderen Mahlmühlen, auch gegenüber ihrer Nachbarin, der Oberen Papiermühle, sie blieb als einzige in Betrieb. Wie wir gesehen  haben, drehte sich ihr Rad noch in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts. Das genaue Datum der Betriebsaufgabe ist uns nicht bekannt.

Die Mönchsmühle – heute Hof Rosenblatt

Gekürzter Auszug Räbker Chronik

Die älteste bekannte Urkunde über einen bestimmten Hof in Räbke aus dem Urkundenbuch des Hochstiftes Halberstadt sagt aus, „1205 war der Platz für die Mühle vom Halberstädter Bischof Konrad den Marientaler Mönchen auf ihre Veranlassung zu übergeben.“ Sofort nach dem Erwerb wird mit dem Mühlenbau begonnen. (Zum Vergleich: Die Liesebach’sche Mühle wurde 1236 gegründet.) Die Malmühle wird auch als Reihehof mit der Größe eines Halbspännerhofes angegeben. Eigentümer 1613 sind Viktor Gebhards, Cort Steinmann. Der Name bleibt bis 1754.

Die Mühle ist eine starke Konkurrenz zur Mühle der Warberger Herrschaft. 1902 wird sie durch Kauf Eigentum von Wilhelm Vahldiek. Beim Verkauf wird das Land abgegeben, so daß seitdem der Hof ein Anbauerwesen ist. Der Mühlenbetrieb wurde eingestellt.

Steht man vor der alten Mönchsmühle, so wird deutlich, daß das Dorf einstmals, ähnlich wie Warberg, auf der Abbruchkante des Elmrandes erbaut wurde. Hier aber, an dieser besonderen Stelle, schaut man dem alten Schunterlauf nach, hat sich seit der Vorzeit das Wasser seinen  Weg tief in den Elmsandstein eingegraben, ein kleines Tal gebildet. Dann haben die Mönche den Schunterlauf auf der Höhenlinie entlang um

geleitet und so die Kraft des Wassers in einem Mühlengraben für ein dörfliches Leben segensreich werden lassen. Da, wo heute die Schunter die Hauptstraße unterquert, war vor noch nicht so viel vergangener Zeit auch ein wichtiger Platz für das dörfliche Leben. Vor der Mühle war die obere Pferdeschwemme; heute ist dort die landwirtschaftliche Wasserzapfstelle.

Die heutigen Eigentümer, Familie Rosenblatt, berichten uns Folgendes:

Der Großvater, Sattlermeister Wilhelm Vahldiek, und seine Frau Etta, geb. Wagner, haben das Grundstück 1902 vom damaligen Besitzer Bertram erworben, daher rührt auch der Name Bertrams-Mühle. Seit dieser Zeit war in der alten Mühle eine Sattler- und Polsterei. Damals ging man noch von außen in den zur Straße hin gelegenen Vorbau in die Werkstatt. Sattlermeister Vahldiek beschäftigte immer einen oder zwei Lehrlinge. Im Nebenerwerb schrotete er Futterkorn  für die Kleinviehhalter mit dem Mühlwerk. Er kaufte dann auch eine Häckselmaschine, die ebenfalls von der Wassermühle angetrieben wurde, und er häckselte damit für Lohn den Bauern das Stroh. Die Bauern kamen aus dem Dorf, aber auch aus Frellstedt und Süpplingen. Willhelm und Etta Vahldiek hatten eine Tochter, Hildegard, die den Landwirt Heinrich Angerstein heiratete, der auf dem Angersteinschen Hof an der Breiten Straße wirtschaftete. Als im Jahr 1935 Randsiedlungsland von der Burg Warberg aufgeteilt wurde, konnte der Mühlenhof durch Stallumbauten wieder zu einem landwirtschaftlichen Betrieb gemacht werden, mit Milchkühen, Schweinen und Mastvieh. Im Nebenerwerb wurde noch Langholz gefahren, unter anderem für das Sägewerk Beckmann und zum Frellstedter Bahnhof. Gewirtschaftet wurde mit 4 Pferden. Die Hofgröße betrug damals etwa 11 Hektar.

Die Ölmühle

Auszug Räbker Chronik

Die Ölmühle ist mitten im Dorf gelegen. Die Hofeinfahrt erfolgt über die Schaperstraße. Der Mühlenteil ist von der Neiseckenstraße sehr gut erkennbar. Der Bericht wird mit leichten Änderungen hier abgedruckt.

Zeichnung von Rudolf Homan

Diese Mühle war die jüngste Mühlengründung im Dorf. Etwa zur gleichen Zeit bekam das Dorf auch seine beiden eigenen Backhäuser. Dies zeigt uns eine durchaus gute wirtschaftliche Situation in der Zeit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Über die Mühle Schaperstraße 112 (ASS-Nr: 13) ist uns aus dem Erbenzinsregister folgendes bekannt: Im Jahre 1613 wird uns als Eigentümer Heinrich Hoffmann genannt, unter anderem dann auch Wanschapen. Wahnschape und Schaarnschmidt sind neben den Begründern der ersten Papiermühle, Brandes etwa 1594, die hervortretenden Namen der Räbker Papierindustrie, auf die wir noch an anderer Stelle eingehen werden.

In den Jahren 1683 und auch noch 1726 war auf dem Hof eine Bockmühle. Diese Bockmühle ist aus einer Schleifmühle hervorgegangen. 1741, aber wohl schon früher, ist eine Wassermühle an ihrer Stelle in Betrieb gewesen. Etwa ab 1725 wurde aus der Bockmühle eine Ölmühle gemacht. Der Besitzer hatte das Recht des Ölschlagens. Erst im Jahre 1900 wurde auf dieses Recht verzichtet.

1908 kam die Mühle in den Besitz der Familie Willecke“. Die Familie Willecke hatte 1908 ihren Hof in der Schulstraße, ASS-Nr. 47 (heute Nr. 81/Dr. Stefan Miersch) verkauft. Der Großvater von Heinrich Willecke, er hieß gleichfalls Heinrich, kaufte nun 1908 die Mühle an der Schaperstraße, ASS-Nr. 13.

Der Ölmühlenbetrieb dauerte von 1917 bis 1923, und das Öl der Ölmühle wurde damals literweise abgegeben, entsprechend der Anlieferung der Ölsaaten aus Mohn, Leinen, Raps und Bucheckern. Die Ölsaaten wurden von den Bauern aus Räbke und der näheren Umgebung geliefert, erinnert sich Heinrich Willecke an diese Zeit seiner Jugend.

Die Mühle wurde dann ab 1924 zum Schroten und Häckselschneiden genutzt bis in den Anfang des Krieges hinein. 1964 wurde dem Mühlenhof die „Gerechtsame“ aberkannt, das heißt, die Rechte und Pflichten, die aus dem Unterhalt des Mühlengrabens von der Brücke an der Krugstraße bis zur Breiten Straße entstanden, diese sind durch die Niedersächsische Regierung in die Allgemeinheit übergegangen durch einen Gesetzesbeschluss. Dagegen vorzugehen, hat sich Heinrich Willecke versagt, um den Kosten und Ausgaben zu entgehen, die auf ihn zukommen würden, wie ihm seitens der Regierung gesagt wurde, es wäre für ihn besser, davon die Finger zu lassen.

Die Mühlenbesitzer hatten bis dahin die Seitenbefestigungen zu unterhalten, also auszuschlämmen. Da, wo heute der kleine Wasserfall ist, war früher der Kolk mit dem Wasserrad, den hatte noch sein Vater mit Sandsteinen ausgestellt, die nun zerschlagen werden mussten, weil die Gemeinde darauf bestanden hatte, den Mühlengraben an dieser Stelle jetzt 30 cm tiefer zu legen. Vorher war es für den Betrieb einer Mühle notwendig gewesen, dass das Wasser von oben her ein bisschen schob, hier konnte vorgestaut werden und die letzten 30 m bekam das Wasser dann ein bisschen mehr Schuss und hatte so am Wasserrad selbst mehr Druck. Das Wasserrad hatte eine Leistung von etwa 6 PS und damit wurde geschrotet und gehäckselt und Öl geschlagen.

Oberhalb des Wasserrades befand sich ein Wehr, das etwa 1950/52 erneuert werden musste. Damals musste noch an die anderen Anliegermühlen ein entsprechender Betriebsausfall gezahlt werden, wenn ein Wehr wieder zementiert wurde. Das Wasser war durch das Wehr auf gut 80 cm Tiefe angestaut, heute ist auch dieses Wehr verschwunden. Als Kind ist Heinrich Willecke einmal am Wehr ins Wasser gefallen, und wie er sagte, konnte er darin richtig schwimmen. Über diese Stelle gibt es auch eine kleine Geschichte, die uns von Walter Homann erzählt worden ist: „Als Kind hatte er hier einmal mit einem Korb vier Forellen gefangen und auf die Böschung gelegt, als ein Alt-Geselle aus der alten Tischlerei Weibusch vorbeikam und sich von den vier Forellen drei nahm mit den Worten, wenn er etwas dagegen habe, würde er dem alten Willecke Bescheid sagen. Da Walter im Wasser stand und sein Gegenüber auch viel größer gewesen war, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich mit wenigstens einer Forelle zufriedenzugeben.“ Woraus auch zu ersehen ist, dass sogar die Fische im Mühlengraben zur Mühle gehörten.

Vom Wehr her floss das Wasser auf zwei Holzschienen zum Wasserrad, und wenn das Wehr gezogen war auf dem Schütt über dem Wasserrad, das auf diese Weise oberschlächtig angetrieben wurde. Auf der zweiten Schiene floss das Wasser an dem Wasserrad vorbei. Wurde das Mühlenrad abgestellt, floss alles Wasser auf der zweiten Schiene. Vor dem Wehr, auf dem Dreieck an der Abzweigung der Schunter vom Mühlengraben an der Krugstraße, waren sechs Eschen gepflanzt worden, so hat es ihm sein Vater erzählt. Sechs Stück für die Mühlen im Dorf, nicht für die Senfmühle, die nicht zu den Dorfmühlen gezählt wurde, da sie außerhalb des Dorfes stand, am Unterlauf der Schunter. Die Eschen sollten dazu verwendet werden, bei Bedarf neue Wellen in die Wasserräder einzubauen, die ja eine große Achse haben mussten.

Dann wurde das Öl mit Wasserkraft herausgedrückt. Dies geschah in einer großen Vorrichtung, in der zwischen vier Säulen ein Kolben das Gut in einem Kübel zusammenpresste. Es war dies ein doppelwandiger Kübel, dessen innere Wandung durchlöchert war, in diesem drückte der Kolben auf eine auf das Gut gelegte ca. 1 cm starke Stahlplatte. Das Gut befand sich zwischen der oberen und einer unteren Stahlplatte in zwei starken Gewebebahnen, den Segeln. Durch den Druck lief das Öl nun in die untergeschobene große Pfanne und von dort in den Topf. Die Druckübertragung erfolgte durch eine von dem Wasserrad angetriebene Wasserpumpe. Nach dem Pressen kam der Topf auf ein Gestell, dessen Unterseite offen war, und nachdem die Stahlplatten und das Segel entfernt worden waren, wurde der Ölkuchen herausgeschlagen und in einem kleinen Brecher gebrochen. Der Ölkuchen wurde dann als Kraftfutter an die Kühe und Pferde verfüttert. Diese Presse ist nachher nach Königslutter zum Landmaschinenhandel Pistorius gekommen, der damit Stahl gedrückt hat. Der Kollergang wurde in den sechziger Jahrenan das Mühlenmuseum in Gifhorn gegeben.

Mühle Liesebach Luftbild aus dem Jahr 1965

Ein Luftbild aus dem Jahr 1965 zeigt  sehr interessante Details. So sieht man z. B. den noch vorhandenen Erker im Mühlentrakt, der bei einer späteren Dachumbaumaßnahme nicht wieder hergestellt wurde. Dieser Dachvorsprung war vor allem für den Fahrstuhlbetrieb erforderlich.

Gut zu erkennen sind auch die noch vorhandenen Oberleitungen, die direkt in das Mühlengebäude führen. Ebenfalls kein Wunder, denn in wasserarmen Zeiten erfolgte der Antrieb der Subsysteme mit drei Elektromotoren mit einer Gesamtleistungsaufnahme von ca. 16 PS = 10,76 kW.

Auszug aus dem Band „Niedersächsische Mühlengeschichte“ zur Wassermühle Liesebach

Wilhelm Kleeberg hat in seinem Band mit obiger Bezeichnung alle Mühlen unseres Bundeslandes vorgestellt. Zur Wassermühle Liesebach schreibt er auf S. 387:
Als nächstes kommt die Wassermühle Richard Liesegang (Nachname falsch, es muss natürlich Liesebach heißen), die vorher im Besitz der Familie Raddecke-Dormann gewesen ist und seit 1955 stilliegt. Nach den von Fr. Wittkopp, Celle, angestellten Nachforschungen in Kirchenbüchern hat am 29. Mai 1864 der aus der Wassermühle Heinsen (Kr. Hameln-Pyrmont) stammende Müller Hermann Dormann die Tochter des Räbker Müllermeisters Ernst Ludwig Raddecke geheiratet. Auch diese Mühle hat noch ein oberschlächtiges Wasserrad von vier Meter Durchmesser und arbeitete zuletzt mit vier Walzenstühlen. Sie könnte die älteste Räpker Wassermühle sein, denn sie wird urkundlich als eine am 14. September 1236 in Betrieb genommene Erbenzinsmühle* des Klosters St. Ludgeri in Helmstedt bezeichnet.“

* Erbenzinsmühle: Die Mühle wurde dem Müller zur Nutzung auf Lebenszeit und zur Weitervererbung im Untereigentum gegen Erbzins überlassen. Das Obereigentum verblieb beim Grundherren, also dem Kloster St. Ludgeri Helmstedt.

Luftbild des Gruppendenkmals Sommer 2009

Die Mühlenanlage Liesebach wurde in den Jahren 1998 bis 2005 im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms aufwendig saniert. Sämtliche Dächer, ein Großteil der Türen, die Hofeinfahrt und weitere wichtige Teilbereiche wurden dabei unter Beachtung des Denkmalschutzes erneuert.

Im Frühjahr 2008 begann die Instandsetzung der Mühlentechnik.

Mühlenstandort seit 1236

Die heutige Wassermühle wurde am 14. September 1236 als Erbenzinsmühle des Klosters St. Ludgeri in Betrieb genommen. Sie stellt damit eine der ältesten Mühlen des Dorfes Räbke dar. Ursprünglich wurde sie mit nur einem Mahlgang betrieben.

Diese Technik blieb bis 1864 annähernd unverändert. Zu dieser Zeit wurde die Mühle erheblich verbessert. Über ein gusseisernes Getriebe betrieb das oberschlächtige Wasserrad fortan zwei Mahlgänge.

Im Jahre 1905 kaufte der Müller Franz Liesebach die Wassermühle. Gleich nach der Übernahme ließ der neue Besitzer die Mühlentechnik aufwändig erneuern. Den Kern der Veränderung stellten ein neues Wasserrad aus Stahl (Durchmesser 3,65 m,
Breite 1,25 m, 42 Schaufeln), zwei Walzenstühle, Elevatoren und neuzeitliche Sicht- und Reinigungsmaschinen dar.

1937 erfolgte eine nochmalige Modernisierung durch die Helmstedter Mühlenbaufirma Nickel. Mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgt zu diesem Zeitpunkt auch der Einbau eines elektrischen Hilfsantriebs zur Unterstützung der Wasserkraft mit einer Leistung von 7,5 kW.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte durch den Sohn des Käufers der letzte Umbau. 1948 baute Richard Liesebach einen weiteren Walzenstuhl ein. Elevatoren wurden aufgearbeitet, zwei weitere Elektromotoren glichen die unzureichende Wasserkraft aus.

Zu Beginn der 50iger Jahre des letzten Jahrhunderts hatte Richard Liesebach noch einige Großkunden. Bäckereien in der unmittelbaren Umgebung wurden mit Pferd und Wagen beliefert, das Weizen-Auszugsmehl „Elmgold“ erfreute sich großer Beliebtheit.

Doch zeigten sich bald an den Baugruppen der Systeme Verschleißerscheinungen. Ende des Jahres 1954 stellte Richard Liesebach den Betrieb ein, er war zu diesem Zeitpunkt 54 Jahre alt.

Im Gegensatz zu allen anderen Räbker Wassermühlen hat Richard Liesebach den Zustand fast unverändert bestehen lassen. Es gab lediglich bauliche Veränderungen am Dachstuhl und den Verkauf einer Mehlmischmaschine, alle anderen Subsysteme sind im Originalzustand vorhanden.

Richard Liesebach starb im Jahr 1996 im Alter von 96 Lebensjahren.

Mühle Prinzhorn – heute Mühle Jensen

Zeichnung Rudolf Homann

Der ehemalige Räbker Bürger Alwin Reichardt berichtete über die Mühle Prinzhorn im Jahre 2005.Eine Kurzfassung wird hier wiedergegeben.

Wenn ich mich nun auch überwiegend auf die Prinzhornsche Mühle beziehe, so ging es in den anderen Wassermühlen doch fast genauso zu. Alle Räbker Wasseräder arbeiteten oberschlächtig. Diese Wasserführung war möglich, weil die Schunter innerhalb Räbkes ein großes Gefälle besaß.

Fast überall war das Wohnhaus und die Mühle ein gemeinsamer Komplex, manchmal riesig groß, wenn man sich z. B. den Mühlenhof des Bauern Lampe anschaut, der einem Gutshaus oder gar einem kleinen Schloss nicht unähnlich sieht.

Wenn der Müller sein Wasserrad stilllegen wollte, sei es wegen einer Reparatur oder dem Reinigen des Zulaufes, so gab es dafür dann noch einen Nebenlauf, dem so genannten Umflutgraben, welcher an der Mühle vorbeiführte und in der Regel auch etwas tiefer lag.

Das Mühlengebäude selbst bestand überwiegend aus drei oder vier Etagen. In dem Dachgebälk war die Winde für den Fahrstuhl untergebracht. Der gesamte Komplex der Mühle löste in mir eine unheimliche Empfindung aus, es war für mich eine fast unerklärliche Technik. Alles funktionierte phantastisch.

So drehten sich dort große Räder vertikal und horizontal, große Holzzähne griffen genau ineinander. Im hinteren Teil der Mühle führte eine kleine Tür zu dem Wasserrad und der darüber fließenden Schunter. Es war alles so groß und gewaltig, dass man diese „Maschinerie“ beim ersten Erleben nicht begreifen konnte.

Dazu kam noch das Rauschen des Wassers und drinnen in der Mühle das Gekrächze der vielen Räder, die sich behäbig drehten. Eine Etage höher befand sich die Abfüll-Vorrichtung für das Mahlgut, also für Mehl, Schrot und Kleie. Im ganzen Raum lag stets eine leichte Wolke des feinen Mehlstaubes.

In der darüberliegenden Etage waren die Einfülltrichter für das Getreide, welches dann auf die sich drehenden Mahlsteine rieselte, wo es dann zerquetscht und gemahlen wurde.

Innerhalb dieser aus Holz gefertigten großen Trichter befand sich eine Glocke, welche an einem gebogenen Stahlband befestigt war. Da sich der Trichter schüttelnd hin- und her bewegte, begann diese Glocke zu bimmeln, sobald das abwärts rieselnde Getreide das Geläut freigab. Dieses war für den Müller das Zeichen, dass er wieder Korn nachschütten musste.

Am interessantesten fand ich natürlich den Fahrstuhl. Dieser war in seiner Abmessung nur etwa einen Quadratmeter groß, Platz hatte nur der Müller und ein Sack Getreide bzw. Mehl. Innerhalb des Fahrbereiches hing ein dickes Tau von ganz oben herab. Zog der Müller kräftig an diesem Tau, dann fuhr dieser Fahrstuhl nach oben, zog er nur schwach, ging es langsam abwärts. Und das alles mit der Kraft des Wassers.

Bedauernswerter Weise ist aber die Gesundheit des Müllers durch den täglichen Mehlstaub sehr in Mitleidenschaft gezogen. Besonders der Lunge machte dieser Staub zu schaffen. So hatten fast alle Müller nach Jahren der Tätigkeit eine Staublunge.

Auch rund um die Mühle gab es für den Müller viel Arbeit. So musste immer wieder das Grundstück instand gehalten werden. Auch das Pferd bzw. die Pferde mussten versorgt werden. Und selbst in der Mühle gab es neben dem Mahlbetrieb viel zu tun. So schärfte Müller Prinzhorn seine Mahlsteine selbst in mühevoller Feinarbeit, wenn die Rillen der Steine abgeschliffen waren. Mit einem Meißen und einem schweren Hammer wurden dann diese schlangenförmigen Rillen nachgearbeitet.

Die Mittelmühle

Auszug aus der Räbker Chronik in abgewandelter Form

Vom alten Osterfeuerplatz am Holmestein fließt in gerader Richtung nach Osten ein Mühlengraben zur  Mittleren Papiermühle, Nr. 87.

„Auf diesem Platz hat im 16. Jahrhundert eine herrschaftliche Pachtmühle gestanden; ob und wie lange schon früher, ist unbekannt. Jedenfalls hat Anton von Warberg sie 1594 auf Erbzins verkauft an Hermann Brandes, samt Garten und Hof und einem freien Platz. Brandes verstand das Werk als Papiermacher und wollte es als solches nutzen. Indem er es für seine Zwecke umbaute, hat er Räbke die erste Papiermühle gegeben und ein Gewerbe, das zu großer Blüte gelangen sollte. Damit hat er sich ein Verdienst um den Ort erworben, das ihm nicht vergessen werden darf.

Aber der Dreißjährige Krieg hemmte sein Wirken. Nachdem er seine Mühle hatte abbrechen und ihre Stätte wüst lassen müssen, starb er in Kriegsnot. Erst das Jahr 1675 brachte die Auferstehung des Mühlenwerkes, der Räbker Ernst Wahnschape errichtete wieder eine Papier-Mühle, die alsbald verpachtet wurde an den Meister Jürgen Kanable ( Kanablaey, Kannenbließ) und nach dessen Tode 1692 an dessen Witwe, bis diese 1708 auf die von ihr erbaute neue Papiermühle oberhalb der Amtsmühle übersiedelte.

Nun übernahm wieder ein Wahnschape die Mühle. Er hatte das Unglück, dass ihm die Mühle mit all dem Seinigen um 1720 infolge Blitzschlag abbrannte. Doch baute er sie nicht nur wieder auf, sondern er plante auch umfassende Verbesserungen, namentlich die Anlage eines Holländer Werkes, das mit seiner Walze die Haderlumpen schneller und vollkommener zerkleinern konnte, als es die bis dahin gebrauchten Stampen vermochten. So war mehr und feineres Papier zu liefern. Aber erst seinem Sohn gelang es 1749 die Genehmigung zum Umbau zu erlangen. Nach Vollendung dieser Neuerungen glaubte man, dass die Mühle der Herrschaftlichen Papiermühle in Oker kaum nachstände. 1764 kaufte Johann Ernst Schaarschmidt diese Mühle und steigerte deren Wert durch sein Geschick um ein Vielfaches.

Nach 1845, als er ein neues Beigeschirr errichtet hatte, vernichtete ein Brand seine Bemühungen und auch der Neubau erwies sich mit den neuen Maschinen aus Frankreich als Fehlschlag. Im Jahr 1867 wurde der Besitz versteigert. Papier erzeugte die Mühle ab diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Danach wurde in der Mühle Senf hergestellt. Zu diesem Zwecke erhielt sie zu Ende des 19. Jahrhunderts eine Dampfkesselanlage, die mit zwei hohen Schornsteinen das Dorfbild Räbkes veränderte.

Die Untermühle

Auszug Räbker Chronik

Auch wenn die Reihenfolge der Papiermühlengründungen nicht dem heutigen Wissensstand entspricht (die Mittlere- bzw. Senfmühle, ist wohl die älteste Gründung der Räbker Papiermühlen und die Obermühle ist die jüngste Papiermühle, erbaut 1705),  so gibt doch die erste Veröffentlichung von Pfarrer Karl Böhme über ‘Die ehemalige Papierindustrie in Räbke’ in dem Braunschweiger Magazin von 1902 einen schönen ersten Überblick über die Räbker Papiermühlen.

Der Beitrag von Pastor Böhme gilt auch heute noch als grundlegend für die späteren Untersuchungen und Veröffentlichungen zur Räbker Papierindustrie:

„In Räbke ist eine blühende Papierindustrie gewesen. Noch wissen die älteren Bewohner von ihr, wenigstens von ihrem Ausgange, manches zu erzählen. Mehr und sicherere Nachrichten, die bedeutend weiter zurückführen, erfährt man aus dem Räbker Kirchenbuche. Diese aber werden aufs glücklichste ergänzt durch die Akten des Herzoglichen Landeshauptarchivs zu Wolfenbüttel. Was diese drei Quellen erzählen, ist im folgenden zusammengestellt………

In den älteren Jahrgängen der Kirchenbücher, von 1692 an, werden häufig Papiermacher, Papiermüller, Papiermachermeister und Papiermachergesellen aufgeführt. Dies erinnert daran, daß auf Räbker Feldmark an der Schunter drei Papiermühlen im Betrieb gewesen sind. Zwei davon stehen noch heute. Die „Obere“, jetzt „Obermühle“ genannt, aber Mehlmühle geworden, liegt 5 Minuten oberhalb des Dorfes zunächst der Landstraße Eitzum-Räbke; die „Mittlere“, jetzt Senfmühle, 10 Minuten vor dem Dorfe abwärts südlich der Straße Räbke-Frellstedt.

Die „Untere“ aber ist samt ihrem Graben und dem bis in den Anfang des  19. Jh.  erhaltenen Mühlteiche verschwunden. Ihr Platz war noch 10 Minuten weiter vom Do

rfe entfernt, als der der „Mittleren“, am „Herkling“, südlich der Schunter da, wo diese nach Nordost umbiegt. Auf der Papenschen und Neumannschen Karte ist sie irrtümlich als noch vorhanden vermerkt. In Wirklichkeit gehen die Pflüge der Warberger Domäne über ihre Stätte.

Alles ist dort Ackerland geworden, während früher der Elm bis hierher vorstieß. Im Kirchenbuche wird einmal gesagt, daß ein Mann im Holze an der Unteren Mühle durch einen Sturz vom Baume seinen Tod gefunden hat. Diese Mühle war herrschaftlich und hieß Fürstliche Amtsmühle.

 

Sie hat nämlich eine Vorgängerin gehabt, eine Sägemühle, auch Eigentum der Warberger Herrschaft, entweder von dieser selbst betrieben oder verpachtet. Aber diese ist schon vor 1613, vielleicht schon vor 1600 abgebrannt. ….

So wurde dann vom Amte 1694 an der schon 1625 vorgesehenen Stelle eine Papiermühle gebaut: …..1774 wurde die Papiermühle zu einer Ölmühle umgebaut….

1786, nachdem sie größtenteils abgebrochen war, wurde sie an den Papiermacher Schaarschmidt von der Mittleren-Papiermühle verkauft. Er verbesserte seinen Besitz insbesonders, indem er 1786 den Platz und die Reste der ehemaligen Papier-Mühle am Herkling nebst 20 Morgen Länderei, Gärten, Wiesen, Freiheiten und Gerechtigkeiten für 2250rß  als Erbzinsgut vom Drosten Wahnschaffe zu Üpplingen kaufte. Nur den Teich ließ er zunächst noch bestehen. Das andere nahm, er in landwirtschaftliche Benutzung. Den Mühlengraben warf er zu und legte das Gefälle herauf zu seiner Mühle, so daß ihr Graben sehr tief wurde.91)

Weiter vertiefende Berichte gibt das Buch von Joachim Lehrmann, Herausragende Standorte der Buch- und Papiergeschichte in Niedersachsen, 1994 sowie der zweit Band von Joachim Lehrmann mit dem Titel „RÄBKE – Niedersachsens altes Papiermacherdorf“, dass beim Vorsitzenden des Fördervereins käuflich erworben werden kann.

 

Mühlenkataster Räbke im Jahr 1939

Aus dem Nachlass des ehemaligen Räbker Bürgers Günther Meyer erhielt der Räbker Förderverein Aufzeichnungen unbekannter Quelle, die ein Kataster der Räbker Mühlen aus dem Jahr 1939 darstellen.

Die Aufzeichnungen zu allen sieben Mühlen werden hier gekürzt wieder gegeben:

Obermühle Räbke, Kreis Helmstedt, Amtsbezirk Königslutter

Name der Mühle: Obermühle, sie die am weitesten der Schunterquelle zu gelegen, oberhalb des Ortes

Name des Eigentümers: Ida Nagel, Betriebsleiter Konrad Nagel, der Ehemann

Zustand: In Betrieb, mit oberschlächtigem Wasserrad, zusätzlich 12 1/2 PS Motor, Getriebe in Ordnung, Mahl- und Schrotmühle.

Der Kundenkreis erstreckt sich auf Räbke und Eitzum. Das Mahlgut wird der Konkurrenz wegen abgeholt und zurückgebracht.

Vermahlungskontingent: 100 t Weizen und Roggen, im Jahr 1939 durchschnittlich 3000 Zentner Schrot verarbeitet, ist eine Kundenmüllerei.

Mühle Köhler Räbke, Kreis Helmstedt, Amtsbezirk Königslutter

Name der Mühle: Mühle Köhler, etwa 50 m unterhalb der Obermühle

Eigentümer: Witwe Ella Köhler, Betriebsleiter: der Schwiegersohn Hermann Denecke

Zustand: In Betrieb, oberschlächtiges Wasserrad, das innere Getriebe ist in Ordnung. Heute nur noch Schrotmühle, seit 30 Jahren nicht mehr gemahlen. Beliefert wird nur noch Räbke. Gebäude sind neu gebaut mit landwirtschaftlichen Einrichtungen.

Inselmühle Räbke, Kreis Helmstedt, Amtsbezirk Königslutter

Name der Mühle: Inselmühle, weil sie auf einer von der Schunter gelegenen Insel liegt.

Eigentümer: Wilhelm Vahldiek

Zustand: In Betrieb, oberschlächtiges Wasserrad, zusätzlich 7 1/2 PS Motor, Getriebe in Ordnung, nur Schrotmühle. Der Inhaber der Mühle ist Sattlermeister und betreibt die Mühle als Nebengewerbe. Soll nach Angaben des Besitzers die älteste Mühle im Dorfe sein.

Verarbeitet werden 400 bis 600 Zentner Schrot jährlich. Das Schrotkorn wird gebracht und von den Kunden wieder abgeholt.

Ölmühle Räbke, Kreis Helmstedt, Amtsbezirk Königslutter

Name der Mühle: Ölmühle Räbke. Die Mühle befindet sich auf einem Bauernhofe.

Eigentümer: Erich Willecke

Zustand: Außer Betrieb, wurde von einem oberschlächtigen Wasserrad getrieben. Das Wasserrad noch imstande, wird noch benutzt, um für den landwirtschaftlichen Betrieb Häcksel zu schneiden. Das übrige Getriebe nicht mehr in Ordnung. Die Mühle seit dem Weltkriege (Anm.: 1. Weltkrieg 1914 – 1918) stillgelegt. War nur Ölmühle. Die unteren Räume dienen als Luftschutzkeller. Eine Instandsetzung würde 10.000 RM kosten.

Roggen- und Weizenmühle Räbke, Kreis Helmstedt, Amtsbezirk Königslutter

Name: Roggen- und Weizenmühle Räbke

Eigentümer: Minna Liesebach, Betriebsführer Richard Liesebach, Sohn

Zustand: Durch die Einberufung des Betriebsleiters seit August 1939 stillgelegt. Wasserrad oberschlächtig und 1 Elektromotor 10 PS. Getriebe in Ordnung. Mahlmühle. Die Mühle ist eine Handelsmühle, gewährt ausreichende Existenz, Landwirtschaft wird nicht betrieben. Verarbeitet täglich 3 Wispel Mehl, das hauptsächlich nach Helmstedt und Magdeburg geliefert wird.

Anm.: Die Maßverordnung des Herzogtums Braunschweig vom 30.03.1838 legte fest: 1 Wispel = 4 Scheffel ≈ 1245,79 Liter. Daraus folgt, dass in der Mühle täglich ca. 3.750 Liter Mehl produziert werden konnte. Das entspricht einer Masse von ca. 3.000 kg = 3 Tonnen.

Untere Mühle in Räbke, Kreis Helmstedt, Amtsbezirk Königslutter

Name: Untere Mühle, die letzte Mühle innerhalb des Ortes an der Schunter

Eigentümer: Hermann Prinzhorn, hat im Jahre 1909 die Mühle käuflich erworben.

Zustand: In Betrieb, nur Wasserrad, oberschlächtig. Das innere Getriebe ist in Ordnung. Mahlmühle, hauptsächlich Schrot. Die Kundschaft ersteckt sich auf Räbke, Warberg und Lelm. Verarbeitet jährlich 3.600 Zentner Schrot und 20 t Roggen und Weizen.

Nach Angabe des Besitzers soll der verstorbene Lehrer Löding festgestellt haben, dass die Mühle 1228 von Mönchen erbaut worden ist, danach wäre die Inselmühle nicht die älteste im Orte.

Senfmühle Räbke, Kreis Helmstedt, Amtsbezirk Königslutter

Name: Senfmühle Räbke

Lage: Räbke, liegt 1 km außerhalb des Ortes, rechts von der Straße Räbke – Frellstedt.

Eigentümer: Albert Lampe

Zustand: Die Senfmühle ist im Betrieb. Wasserrad oberschlächtig und 1 Elektromotor 7 1/2 PS. Das Getriebe ist noch in ausreichendem Zustande. Die Senfmühle ist eine Handelsmühle. Es werden die Kaufleute der näheren und weiteren Umgebung mit dem Produkt beliefert.

Im Jahre 1939 wurden 7.757 kg und im Jahre 1940 7.753 kg Senfsaat verarbeitet.

Niedersachsens Papiermacherdorf

Joachim Lehrmann, Autor eines wertvollen Buches über die Räbker Buch- u. Papiergeschichte: „Kleines Dorf und große Papiergeschichte“, stellt fest:

„Bislang war ‚Niedersachsens Papiermacherdorf‘ – und mit nichts anderem haben wir es im Falle Räbkes zu tun – in der Technikgeschichte und Papierhistorie völlig unbekannt. Doch allmählich dringt die über eine lange Zeit herausragende Stellung unseres kleinen Mühlendorfes (das ebenfalls allein in diesem Punkte Rekordhalter in Niedersachsen sein dürfte) innerhalb der Papiergeschichte dieses Bundeslandes auch in das Bewusstsein der einschlägigen Geschichtsschreibung.“

Wer sich für die weiteren inhaltlich sehr beeindruckenden Details der Räbker Geschichte interessiert, möge auf der Internetseite des Verfassers fündig werden.